„Es ist zwanzig Jahre her, dass einem Sarg am Grund eines trüben Sees eine rätselhafte junge Frau entstieg – unfähig, sich ihrer Vergangenheit oder ihres eigenen Namens zu erinnern. Ein einzelnes Detail ihrer ungewissen Herkunft jedoch bleibt ihr erhalten: Das der verheerenden Hexenkräfte, mit denen sich wilde Dämonen beschwören und die Boten des Himmels grausam vernichten lassen. Nach Jahrhunderten der Abwesenheit jäh ins Leben der Neuzeit zurückgekehrt, geht Bayonetta allen Hinweisen nach, mit denen ihre Erinnerungen allmählich wieder wachgerufen werden sollen, und kommt schließlich in der entlegenen Stadt Vigrid an. Von den Horden angreifender Engel unbeeindruckt, sowie zahlreiche schicksalhafte Begegnungen später, lauern noch unbekannte Bedrohungen auf Bayonetta.“
Und jene Bedrohungen kommen euch zuteil, denn mit einer Grabzeremonie – bei der ihr Rodin wieder ins Leben ruft, welcher durch die Boten des Himmels eben noch Frieden finden sollte – enthüllt sich Bayonetta aus ihrem weißen Gewandt und schlägt die Engel mit gewaltigen Tritten und Schlägen zu Boden. Vom auferstandenen Rodin erhält sie sogleich mehrere Feuerwaffen und teilt entsprechend hart aus. Nur etwas später ist er es, der euch eure ersten festen Pistolen überreicht, die sich Bayonetta an die Absätze ihrer Schuhe schnallt bzw. zwei weitere im Halster auf ihrem Rücken aufbewahrt. Das ist der Beginn von Bayonettas Reise, dessen Anfang bereits mit viel Charme und auch Witz von den Programmierern ausgestattet wurde. Denn mit Enzo, eigentlich einem Charakter und Informant aus der bekannten Reihe „Devil May Cry“ haben die ehemaligen Capcom Entwickler aus dem Hause Platinum Games ein Figur übernommen, die am Rande mitspielt und in der Einführung bereits für schmunzelnde Gesichter sorgt. Denn in Bayonetta gibt es verschiedene Welten samt ihrer Bewohner, die alle auf gleichen Pfaden laufen, jedoch sich untereinander normal nicht sehen können: Die Welt der Menschen, die der Umbra-Hexen und der Himmelsboten und noch eine dritte Kraft, die zunächst eher nur am Rande erwähnt wird und nicht jeder dieser „Rassen“ so eben Zutritt dazu hat. Da Enzo zu den Menschen gehört, kann er zwar zunächst noch Bayonetta und Rodin sehen (solange keiner mittels Portal die Welten wechselt) aber eben nicht die Himmelsbewohner. Zugleich wird allerdings der halbe Friedhof in Schutt und Asche gelegt, so dass wir als Spieler doch recht schnell schmunzeln müssen, da Enzo stets im letzten Moment den gegnerischen Attacken gegen Bayonetta und umgekehrt entkommen kann aber nicht einmal sieht, was um ihn herum eigentlich genau geschieht.
Zu Beginn dieses Spektakels, das in der Tat spektakulär gestaltet wurde und mit actionreichen Sequenzen zum Hingucken zwingt, gibt kurz darauf eine kleinere Zwischenpause, in der euch die ersten Manöver erklärt werden und wie diese mit dem Controller auszuführen sind. Begonnen wird mit der Schlagtaste, danach kommt die Tritttaste hinzu und erste Combos werden hierbei erklärt. Denn diese funktionieren nicht immer zwingend per Tastendruck der Aktionstasten selbst, sondern auch durch vorherige Drehungen des linken Analogstick. So könnt ihr um euch herum schießen, je nach Taste mit den Handpistolen oder denen an euren Stiefeln. Drückt ihr die Y- oder B-Taste (PS3: Dreieck oder Kreis) danach weiter, könnt ihr nachschießen und zugleich mittels Stick auf die jeweiligen Gegner um euch herum zielen. Mit der rechten und hinteren Schultertaste könnt ihr einem gegnerischen Angriff ausweichen und euch so neben oder hinter eurem Gegner platzieren, um weiter kräftig auszuteilen. Habt ihr hierbei das perfekte Timung heraus, aktiviert ihr die „Hexenzeit“, die den Bildschirm in einen lila-farbigen Hauch taucht und für nur wenige Sekunden all eure Feinde in Zeitlupe fortbewegen lässt. Ihr könnt also voll draufschlagen oder treten aber auch ballern!
Und genau DAS ist eigentlich schon das große Prinzip in Bayonetta, welches sehr an Devil May Cry erinnert und ebenso mit vielen Combos aufwartet, Luftakrobatik und vielerlei erlernbarer Technik im Verlauf des Spiels. Und diese Techniken sind schon kurz darauf das A und O im Spiel, mit denen ihr eure Widersacher das fürchten lehren müsst. Zuerst lernt ihr die Hexen-Flechten einzusetzen; genauer genommen eure Haarpracht! Denn Bayonetta, die sich an die Vorfälle vor etwa 500 Jahren nicht mehr erinnern kann, trägt keine gewöhnliche schwarze Kleidung. Diese besteht komplett aus ihrer Haarpracht, die sie wie ein Gewand um ihren Körper legt aber auch geschickt einzusetzen weiß. Je mehr ihr nämlich in Action verfallt und auf euren Feind gekonnt nieder pocht, desto bessere Aktionen könnt ihr der feschen Dame entlocken. Nicht nur einfache Schläge und Tritte, sondern der direkte Einsatz ihrer Hexenkräfte: Ihre Haare! Diese lösen sich dann vom Körper und nehmen andere Formen an; eine riesige Faust, ein überdimensionaler Schuh – hauptsache es drischt möglich hart auf den Heiligenschein-Träger ein, um ihn so viel Energie wie nur möglich zu rauben. Man mag fast meinen, Bayonetta steht in dem Moment kurz in Unterwäsche da, während durch kleinere Dimensionsportale ihre verwandelte Haarpracht zuschlägt oder eben tritt. Danach legt sich alles wieder um ihren Körper. Kombiniert werden können diese Manöver natürlich auch, welche ihr stets in den größeren Ladepausen trainieren könnt samt Anzeige, wie was genau ausgeführt wird.
Mit dem in der Einleitung befreiten Rodin, erhaltet ihr schon bald Zutritt zum „Tor der Hölle“ oder auch umgangssprachlich, seinem Shop! Denn dort könnt ihr in Zukunft noch vielerlei Items und Zusatzaktionen kaufen im Tausch gegen „Halos“ Ein Halo ist ein goldener Ring, von denen besiegte Feinde so einige mit ihrem Ableben fallenlassen und von euch eingesammelt werden können. Dazu müsst ihr euch nur in dessen Nähe begeben und sie kommen ganz von allein auf euch zugeflogen! Zusatzaktionen sind dabei sogar sehr wichtig, da sie euch mit neuen Tritt- und Schlagmöglichkeiten ausrüsten, ein Ausweichen auch in der Luft ermöglichen oder euch gar recht ausgeklügelte Kampfanimationen beherrschen lassen: Macht einen Breakdance und schießt währenddessen mit all euren vier Waffen aus allen Rohren und in alle Richtungen oder verschwindet in einem Portal, um kurz darauf auf euren Gegner zu stürzen. Am Ende wird noch ein kleines Foto geschossen, für das sich Bayonetta sogar noch fein positioniert. Natürlich ist hier ein Hauch von Erotik enthalten, was man teilweise aber auch in vielen weiteren Spielabschnitten beobachten kann und das nicht nur im Kampf. Kleine Zwischeneinblendungen mit Jeanne, einer weiteren Umbra Hexe oder auch dem engagierten Reporter Luka, der Bayonetta zwar jagt aber andererseits auch höchst interessant findet, so auf gewisse männliche Art und Weise. So gibt es viel zu beschmunzeln innerhalb der Story, was die Entwickler von Platinum Games aber auch mit der Weltenwanderung recht gut verbinden. Denn wer ahnt schon, dass Bayonetta gleich neben einem steht, während man so gewisse Sachen erzählt und man eigentlich geradewegs in das wohl größte Fettnäpfchen tritt, das es gibt?
Eins ist sicher: Nachdem Rodin erweckt wurde, gibt es für Bayonetta endlich richtige Herausforderungen. Nicht nur kleine Gegner auf Beerdigungen und irgendwelche Informationen von Enzo. Nein, die Geschichte der Umbra Hexen, den Augen der Welt und der Hüter dieser Schätze brodeln kurz darauf mehr und mehr in euch und dann ist da noch diese zweite Umbra Hexe, die stets euren Weg kreuzt und euch in einen Kampf verwickelt. Zusätzlich die schier nicht enden wollenden Verkörperungen der Engel, die alles andere als engelhaft ausschauen und in vielerlei Gestalt auf euch zukommen, egal ob zu Land, zu Wasser oder in der Luft. Ihr müsst gegen alle antreten, in Stadtgebieten, in alten Festungen, Vulkangebieten oder sogar inmitten von Eis. Hexenkräfte sind hier erforderlich, um den Weg weiter und weiter für euch zu bahnen. Verwandlungen in Tiere, um hinter euch einbrechende Wege schnell verlassen zu können oder todbringende Abgründe zu überqueren. Selbst an Wänden müsst ihr entlanglaufen, um neue Wege zu finden und damit neue Gefahren. Kein Weg ist zu gefährlich, kein Weg zu hart! Und harte Wege bauten die Entwickler selbstverständlich überall ein. Ihr lauft nicht nur normal irgendwelche Straßen entlang, über Brücke und durch Tore. Bayonettas Fähigkeiten und ihre ganze Art an sich ziehen sich durch die Welten. Am besten beschreiben kann man dies am Beispiel des Lavastroms, der von jetzt auf gleich einbricht und die Umbra Hexe unter sich begraben soll. Gekonnt nimmt diese jedoch einen Engel als Surfbrett und springt kurz darauf an die Hauswand, wobei der ganze Bildschirm kippt und ihr nun nicht nur weitere Gegner bezwingen müsst, sondern auch an der Wand weiterlaufen und gar Seitenwechsel vollziehen müsst. Hierfür werden auch gern die Verwandlungskräfte in den schwarzen Panther oder die schwarze Krähe genutzt und schließlich meist nicht ganz einfache Quick Time Events gemeistert, um nur knapp Explosionen und mehr zu entkommen. Ähnliche Spielchen laufen auch in alten Ruinen ab, direkt in bzw. auf einem Flugzeug und mehr. Actionreicher kann man ein Spiel wohl kaum gestalten!
Aufgeteilt sind die Kapitel dabei in Verse, die ihr jederzeit erneut spielen könnt auf allen erspielten Schwierigkeitsstufen. Denn den Hard-Modus erhaltet ihr erst mit dem Beenden des normalen Spiels, wobei ihr sogar noch eine schwerere Stufe erspielen könnt. Um diese aber zu überstehen, heißt es sammeln, kaufen, erwerben, verbessern! Und damit sind nicht nur zig neue Fähigkeiten bei Rodin gemeint, sondern auch jede Menge neue Items und Hilfsobjekte. Halos braucht ihr dafür teils eine gaaaaaanze Menge, weshalb ihr allein dafür schon mehrmals spielen dürft. Neue Waffen sind aber auch drin, die ihr Bayonetta anlegen könnt: Ein starkes Schwert, eine riesige Peitsche, scharfe Krallen oder neue Pistolen bzw. Shotguns. Tauschen könnt ihr hier im Kampf zu jeder Zeit mit zwei Voreinstellungen. Anfangs besitzt ihr natürlich nix, also auf beiden Waffen-Punkten „A“ und „B“ nur eure vier Pistolen. Erhaltet ihr das Schwert, könnt ihr die Handpistolen von bspw. Einstellung „A“ schon mal durch das Schwert ersetzen. Somit habt ihr einmal Schwert/Pistole und einmal Pistole/Pistole. Dies wirkt sich nun auf eure Stärke beim Angriff aus, ebenso auf die Hexen-Flechten aber eben auch auf eure Combos. Mit dem Schwert gibt es nämlich neue Manöver und richtig fette Einschläge, die dem Gegner viel Energie rauben können oder vielleicht sogar weitaus besser geeignet sind, als die normalen Faustschläge! Ihr könnt euch natürlich auch mit riesigen Kampfkrallen ausstattet und euch zugleich der Peitsche annehmen; eine hohe Reichweite statt großer Combos oder sich Kontrahenten direkt zu sich ziehen und dann mit einem Waffenwechsel niederschmettern. So in etwa müsst ihr euch das Kampfspektakel vorstellen, welches sich mit vielen Spielstunden noch entwickelt. Denn die Waffen bieten euch neue Eigenschaften, mit denen ihr so manchen Gegner plötzlich einfacher bezwingen könnt. Zusätzlich gibt es mit den „zerbrochenen Hexenherzen“ auch immer wieder neue Energie dazu, welche als Herzteil (ihr müsst vier Stück finden oder kaufen) dauerhaft eurer Energieleiste zugeschrieben wird und erweitert. Da lohnt sich das mehrfache Durchspielen doch bzw. wird es damit tatsächlich auch möglich, wenn ihr schon plötzlich schwierigere Feinde an so manchen Stellen bezwingen sollt, die im Normalmodus dort noch nicht anzutreffen waren.
Insgesamt vereinen die Entwickler die Neuzeit mit alten Legenden, was aber sehr gut funktioniert. Die vielen Erinnerungen und einige Zwischensequenzen sind daher auch in Form von Fotorollen auf dem Bildschirm zu sehen. Heißt, die Fotorollen, wie sie vor den Digitalkameras heute genutzt wurden, beinhalten die Bilder mancher Zwischensequenzen, wo spezielle Einstellungen, Reaktionen und damit auch Blicke der Personen abgebildet sind und über den Screen schweben. Nebenbei werden die Story erzählt oder Unterhaltungen geführt. Dies erfolgt alles in englischer Sprache samt deutscher Untertitel und bietet durchaus einen gewissen Flair, zumal nicht jede der Spielsequenzen auf diese Weise dargestellt wird. Viele reale Sequenzen zeigen Action und auch ein Spritzer an Spaß, Humor und Ironie. Die Erinnerungen Bayonettas und der Augen der Welt, durch welche ein neues Zeitalter eingeläutet werden soll und die starke Umbra Hexe Bayonetta, die eine große Rolle in diesen Machenschaften spielt, trifft auch schon bald auf ein kleines Mädchen; ein Mädchen welches Bayonetta nicht nur beschützen muss, sondern auch hinter die Geheimnisse der kleinen Cereza kommen muss! Und während ihr von riesigen Engelswesen in alten Ruinen angegriffen werdet und uralte und mysteriöse Geheimnisse aufdecken wollt, gibt es kurz darauf Verfolgungsjagden auf einem Motorrad über den Highway oder kreuzt euch wieder einmal mal Jeanne, die direkt an den Hauswänden entlang brettert mit ihrem ganz eigenen Fortbewegungsmittel. Das ist neu und alt in einem, sehr cool gemacht und einfach nur herrlich!
Viel Flair von SEGA selbst steckt übrigens auch im Spiel. Nicht nur, dass die goldenen Halo Ringe eindeutig an Sonic the Hedgehog erinnern, auch viele Musikstücke aus SEGA Klassikern bekommt ihr im Spielverlauf zu hören: Als erstes dürfte der Soundtrack aus „OutRun“ auffallen, aber auch „After Burner“ , „Space Harrier“ oder „Fantasy Zone“ kommen mit vor. Kleinere Anekdoten spiegeln in witziger Weise einen Schisshasen und Dummkopf wieder, indem der Begriff „eggman“ genannt wird aber auch die Motorradfahrt selbst erinnerte mich irgendwie sofort ein wenig an „Shadow the Hedgehog“. Fluglevels a la „After Burner“ oder gar „Space Harrier“ sind ebenso vorhanden. Das ist wohl auch der Grund, weswegen viele Spieler da draußen sagen: „DAS ist ein echter SEGA Titel! Das Spiel besitzt all den Flair, wie man ihn noch zu Dreamcast Zeiten kannte.“ Und es stimmt, das Spiel ist einfach nur heiß, nicht nur für SEGA Fans!
Und während ihr so durch die Gegend prescht und möglichst alles erkundet, werden noch vielerlei Dinge auffallen, die mit dem ersten Spielen wohl noch an einem vorbeigehen. Es gibt einige Geheimnisse zu entdecken, wenn ihr manche Wege zurückgeht, spezielle Tore betretet und Aufgaben erledigt: Eine entsprechende Anzahl an Gegner mit nur einer ausgewählten Anzahl an Tritten oder Schlägen bezwingen oder nur Folterangriffe ausführen und mehr. Gerade die Folterangriffe sind eine wichtige Form eurer Hexenkräfte! Unter eurer Lebensanzeige befinden sich nämlich noch einige Kügelchen, die ihr bei guten Kampfanimationen auffüllt, sprich rechtzeitig ausweichen, die Hexenzeit aktivieren, Combos entfachen und sich nicht ständig treffen lassen. Ist die Anzeige gefüllt, könnt ihr einen Folterangriff mit einem Gegner ausführen, der ihn sofort tötet oder zumindest jede Menge Energie kostet. Vor dem Feind wird hier die Tastenkombination X+A angezeigt. Auf dem PlayStation 3 Controller die Tasten Viereck und X. Danach erscheint meist irgendein Gegenstand, auf oder in den ihr den Feind zwingen müsst. Drückt hierzu so schnell wie möglich die angezeigte Taste. In der Regel ist dies die Viereckstaste (Xbox 360: X-Button) oder die Kreistaste (Xbox 360: B-Button) und ihr steigert so die Schadenspunkte rapide an, ihr erhaltet extra Points gutgeschrieben, wie im ganzen Spielverlauf während der Kämpfe selbst. Folterangriffe gibt es eine ganze Menge von einem Pferd mit vielen Stacheln auf dem Rücken (Gegner wird drauf befördert), eine Folterkabine umgeben von riesigen Pfählen (Gegner wird darin aufgespießt), eine Giutine (die Engelswesen werden auf die Exekutionsvorrichtung getreten, Kopf vom Rumpf getrennt), riesige Räder mit Stacheln (zermalmen größere Vierbeiner) … und und und. Natürlich ist hier viel Blut im Spiel, welches nur so über den Bildschirm spritzt. Eure Punkte schießen hierbei auch in die Höhe und am Ende eines Verses werden all eure Punkte zusammengerechnet, abgezogen vom Konto werden verwendete Hilfsmittel, verlorene Energie oder wie oft ihr bei den fairen Rücksetzpunkten ein Leben lassen musstet – wobei Bayonetta nicht wirklich sterben kann. Daraufhin gibt es einen Rang auf jeder Schwierigkeitsstufe in Form von Statuen von Stein bis Platin. Diese richten sich nach euren Erfolgen in den einzelnen Versen innerhalb eines Kapitels. Denn am Ende verdient ihr Medaillen von Stein über Bronze, Silber, Gold, Platin und sogar reinem Platin!
Eure Items bestehen übrigens nicht nur aus neuen Waffen und Moves, sondern auch aus Lutschern, die ihr euch auch noch selbst zusammenbrauen könnt. Entsprechende Items dafür findet ihr in den Levelabschnitten und könnt eine entsprechende Anzahl grüner, gelber und roter Items entweder einfarbig oder gemischt mixen, um bspw. Heillutscher oder Schutzlutscher zu erstellen. Auf dem Steuerkreuz abgelegt, können diese zu jeder Zeit im Kampf eingesetzt werden und heilen eure Energie, füllen eure Folterpunkte auf, umhüllen euch von einem roten oder gelben (Supersonic lässt grüßen) Schein und gegen euch mehr Angriffs- oder Abwehrkraft! Habt ihr im Kampf grad keinen dieser Lutscher parat, die übrigens im Spielverlauf noch auf sehr witzige Weise integriert worden sind, könnt ihr zu jeder Zeit die Back- bzw. Select-Taste (je nach System) drücken und mal eben etwas zusammenbrauen, sofern ihr genug Items auf Lager habt. Andere Items sind übrigens noch ganz spezielle Schätze, die ihr auf eurem Weg finden könnt, wie etwa rote Krähen – die Blutstränen Umbras …
Somit macht Bayonetta spielerisch praktisch alles richtig, denn alles geht recht einfach von der Hand, die Menüs sind einfach zu handeln, in den Ladepausen kann geübt werden, gespeichert wird mittendrin auch von allein bzw. ist es euch nach jedem Kapitel erlaubt, auch manuell abzuspeichern auf einen zweiten, dritten, vierten, ect. Spielstand. Grafisch zeigen die Entwickler, was aus den HD-Systemen so rausgeholt werden kann: Nicht nur die geschmeidige Steuerung, die vielen Bildwechsel samt Verwandlungen und Hexenzeit bringt der Technik keinen Abbruch. Denn all das geht sehr schnell vonstatten, ohne dass das Spiel in irgendeiner Form einsackt. Und hierbei muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, was alles auf dem Screen passiert: Haufenweise Gegner, Bayonettas Kampfstil mit Combos, Waffenwechsel und Ausweichmanöver, dazu Schlag, Tritt oder Waffeneffekte von Schwertern, Peitschen, Stachelkugeln, Schlitzer oder Bisseffekte durch Krallen oder riesige Mäuler, Nebel am Boden, das Zerschmettern von Rüstungen, Engel lassen mächtig ihre Federn und mit dem Einbruch der Hexenzeit wird der Bildschirm noch mittels Blur-Effekte getränkt samt schnelle Farbwechsel und der Schatten sämtlicher Lebewesen auf dem Boden oder gar Fledermäuse. Ach und nicht zu vergessen all das Blut, die Schlagkraft der Hexenflechten und Folterangriffe. Nebenbei dreht sich die Kamera, die ihr auch selbst mittels rechtem Analogstick bewegen könnt, und zeigt die vielen Landschaften oder Räumlichkeiten, auf denen ihr kämpft. Und diese haben natürlich auch ihren Reiz. Denn wenn die riesigen Endgegner nach euch schnappen, ganze Brücken entzwei reißen, ihr von Bruchstück zu Bruchstück springen müsst oder andere Möglichkeiten finden müsst, um an deren Schwachpunkte zu gelangen, den riesigen Händen ausweichen, Feuerbällen entkommen und mehr, dann ist die Action auf dem Bildschirm unumstritten atemberaubend. Dass Bayonetta selbst ihre Haare in riesige Dämonen verwandeln kann (es erfolgt im entsprechenden Moment eine Anzeige auf dem Bildschirm), bringt schlussendlich das Highlight überhaupt auf den hoffentlich großen Screen im heimischen Wohnzimmer.
Dass die Ladezeiten hierbei dennoch kurz ausfallen, dürfte Xbox 360 Besitzer riesig freuen. Man kann durchaus sagen, das Spiel ist praktisch perfekt! Über die ab und an kleineren Streifen in der Bildaktualisierung (Tearing) kann man getrost hinwegsehen, da sie nicht wirklich groß ins Auge fallen. Seltsamerweise scheint dies aber mit der Installation auf der Festplatte auch nicht besser zu werden, sondern das Spiel technisch eher ein wenig zu verschlechtern. So zumindest unsere Versuche mit der Xbox 360 Version. Die PlayStation 3 Version dagegen krank von vornherein an längeren Ladepausen, was doch etwas nervig ist. Selbst beim Speichern erfolgt zunächst ein Ladebalken, der dies und jenes erst suchen muss, um endlich darauf Zugriff zu bekommen, was bei der Xhox 360 sofort erscheint: Der Speicherbildschirm! Doch wenn man seine Aktionen während der Ladepause übt und sich dann plötzlich fragt „Hey, wie lange lädt das eigentlich schon?“, dann wird selbst der übungsvolle Ladebildschirm langsam seeeehr langweilig. Zum Glück verspricht ein späterer Patch für die PS3 Abhilfe. Nachdem die 138 MB auf die Festplatte geladen und anschließend installiert wurde, steht euch nicht nur die aktualisierte Version 1.01 zur Verfügung, sondern damit auch der Menüpunkt „installieren“, damit ihr das Spiel auf der Festplatte installieren (ca. 20 Minuten Wartezeit) könnt. Danach könnt ihr spielen, wie man es auch auf einer Xbox 360 kennt, ohne lange Wartezeiten! Hier beginnt der Spaß dann erst richtig auf dem Sony System und unterscheidet sich eigentlich kaum noch von der Microsoft Version.
Während die technische Seite des Spiels ganz oben mitspielt, ist auch der Soundtrack nicht von schlechten Eltern: Je nach Ebene gibt es natürlich verschiedene Soundtracks, die das Geschehen einfangen und richtig gut untermalen. Kommen neue Gegnerarten auf euch zu, werden diese kurz vorgestellt innerhalb des himmlischen Buches, welches nicht nur optisch richtig mystisch dargestellt wird, sondern auch soundtechnisch hervorragend klingt. Schwertergeklirr, Peitschenhiebe und die Geräusche beim Ausholen zum Schlag werden stets wiedergegeben und lassen euch oft hören, wann ein Feind angreift. Das Tick-Tack der Hexenzeit erfolgt für kurze Zeit, der Tonumschwung dabei, aber ebenso die Soundtrackwechsel vom normalen Gameplay in den Kampfmodus, der einen extra Soundtrack verpasst bekam und den Kampf stimmig hält. Bayonettas Stimme und ihre Rufe aber auch Verhöhnungsworte ertönen auch noch ganz nebenbei. Die Engelswesen wurden je nach Größe mit einem Hall versehen, so dass deren Stimmen richtig gefährlich klingen. Alles im Einklang ergibt dies natürlich eine Wahnsinnsvorstellung an Sound und Optik, wie sie nur bei wenigen Spielen auf solch hohem Niveau steht. Einfach himmlisch-teuflisch geil!
Habt ihr das Spiel beenden können, gibt es natürlich noch weitere Schwierigkeitsstufen aber auch jede Menge Extras im Untermenü oder auch im Spielmenü zu entdecken. Nicht nur ein Tanzvideo mit Bayonetta als Hauptdarstellerin, sondern auch neue Kleidung für die Umbra-Hexe stehen zur Auswahl. So gibt es Concept Arts anzuschauen, 3D Modelle oder sämtliche im Spiel kommenden Soundtracks. Zusätzlich gibt es noch die Bestenlisten, in denen ihr Rekorde nach Zeit und Combos für jedes Kapitel weltweit oder mit Freunden in jedem Schwierigkeitsgrad vergleichen könnt.
Fazit
Also eines muss man vorweg sagen: Selbst Capcom ist begeistert von diesem Titel, den SEGA mit dem Studio Platinum Games – gegründet durch ehemalige Capcom Entwickler – abgeliefert hat! Bayonetta, die Umbra-Hexe mit vielen Fassetten und Fähigkeiten geht jedoch ihren völlig eigenen Weg, als Capcom mit Devil May Cry: Verschiedene Hexenkräfte, freispielbare Waffen und eine tief greifende Geschichte mit vielen erforschbaren mysteriösen Ebenen der alten und neuen Zeit. Dazu riesige Monster aus dem Himmelsreich, die die schwarze Hexe laut eigener Aussage stets ein Stück zu viel bequatschen bzw. langweilen aber dennoch immer wieder deren Aufmerksamkeit erlangen wollen. Ihr als Spieler habt an der Story und wie diese präsentiert wird jedenfalls sehr viel Spaß, denn das Spiel muss nicht nur einmal durchgezockt werden: Zu viele Geheimnisse gibt es zu entdecken, erspielbare Extras und Bonusmaterial! Dass Grafik und Soundtrack zu dem besten gehören, was die Spielindustrie derzeit zu bieten hat, dürfte nach nur kurzer Spielzeit jedem klar werden. Nach dem Patch der PS3 Version läuft auch diese ohne lange Ladezeiten praktisch perfekt, wie auf einer Xbox 360. Somit sind beide Versionen uneingeschränkt empfehlenswert, während Bayonetta mit Abstand das wohl beste releaste Spiel von SEGA seit langem ist: Humor, Action, Erotik und einfach nur atemberaubende Hexenkräfte. Bayonetta ist einfach nur GEIL!
Daddelt auf beiden Systemen und kann nun doppelt so viele Gegner quääääälen (hrr hrr): Ronny Wecke